Entwicklung der Abteilung und die damit verbundene Problemstellung

Im Jahr 1978 wurde eine Abteilung für Körperbehinderte an der Schule am Budenberg installiert. Die Abteilungsleitung wurde von Amtsseite relativ schnell besetzt. Der Kreis bewilligte eine erhebliche Summe für die Erstausstattung der Abteilung.

In der Anfangszeit war weder bekannt, mit welchen Kindern und vor allem, mit welchen Krankheitsbildern zu rechnen war.

Schule und Lehrer/innen konnten sich somit nur sehr schwer auf die zu erwartende veränderte Schülerschaft einstellen.

Die Erstausstattung konnte ebenso nicht behinderungspezifisch vorgenommen werden, sondern wurde mit Unterrichtsmaterialien allgemeiner Art bestückt.

Der Anfang an der Abteilung für Körperbehinderte an der Schule am Budenberg war also zunächst etwas diffus und ohne rechte Konzeption.

Als Zieldefinition ist im Nachtrag festzuhalten:

  • die lernbehinderten körperbehinderten Kinder sollen in die bestehenden Klassen integriert werden.
  • Das Kollegium der Schule am Budenberg bemüht sich durch schulinterne Fortbildungen Körperbehindertenpädagogik in Unterrichtskonzepte mit einfließen zu lassen.

Körperbehinderte Schüler und ihre spezifischen Bedürfnisse

Es gibt einen unbestrittenen engen Zusammenhang zwischen Bewegung und Lernen.

Piaget definiert die Entwicklung grob formuliert als eine Interaktion des Kindes mit seiner Umwelt. Prozesse der Assimilation und Akkomodation sind dabei meist in Handlungen eingebettet.

Bei körperbehinderten Kindern verlaufen diese Prozesse je nach Behinderung verändert ab. Zu unterscheiden sind hier insbesondere Behinderungen, die sich auf den anatomischen Bau des Stütz- und Bewegungsapparates beziehen oder aber auf Funktion und Kontrolle desselben durch eine Störung im Zentralnervensystem (vergl. Jetter, der entsprechend „konstitutionelle“ bzw. funktionelle Motorische Defizite unterscheidet)

Beiden Störungen gemeinsam ist, dass die körperbehinderten Schüler eingeschränkt sind, wenn es heißt entwicklungsadäquate Reize oder Informationen aufzunehmen, zu speichern bzw. wieder anzuwenden.

Das bedeutet, dass die Bereiche der Wahrnehmung, des Gedächtnisse und damit auch das Lernen und die kognitive Intelligenz beim körperbehinderten Kind Störungen unterliegen können.

Weil sie ihren Körper nicht „koordinieren“ können, sich oft nicht „im Gleichgewicht“ befinden, haben diese Kinder eine veränderte Wahrnehmung, die häufig Probleme nach sich zieht. Sie sind in ihrer Situationseinschätzung und Selbsteinschätzung verunsichert. Ihnen fehlt der Überblick, sie können nicht gut abstrahieren und ihre Merkfähigkeit ist eingeschränkt.

Im Verhalten können sie sich unkonzentriert und leicht ablenkbar zeigen oder hypoton und sehr antriebsarm sein.

Auf Grund der Verarbeitungsprobleme lernen sie langsamer und Lernleistungen zeigen einen unregelmäßigen diskontinuierlichen Verlauf d.h. die Schüler haben häufig eine Einschränkung ihrer Speicherkapazität und eine mangelnde Handlungsflexibilität bzw. Handlungskompetenz (auch aufgrund fehlender Handlungserfahrungen).
Leyendecker beschreibt neben der veränderten Lernentwicklung auch eine Veränderung bzgl. der Motivationsgrundlage körperbehinderter Kinder durch häufige lange Krankenhausaufenthalte, die leider immer noch häufig zu traumatisierenden Erlebnissen führen.

Aktuelle Situation

Die Schule am Budenberg ist eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und einer Abteilung Motorische und Körperliche Entwicklung. Das bedeutet, dass an der Schule durchweg lernzieldifferent unterrichtet wird (mit Ausnahme der Hauptschulklasse). Zurzeit besuchen etwa 140 Schüler unsere Schule, die alle den sonderpädagogischen Förderbedarf im Sinne der Schule für Lernhilfe haben. Von diesen Schülern haben knapp 40 zusätzlich den Förderbedarf im Sinne der Schule für Körperbehinderte.

Hierbei handelt es sich um Kinder mit ganz unterschiedlichen Behinderungsbildern. Das können z.B. sein: Cerebralparese, Epilepsie, Spina Bifida, Hydrocephalus, verschiedene Formen der Muskeldystrophie, starke Wahrnehmungseinschränkungen, grob- und feinmotorische Entwicklungsverzögerungen, verschiedene chronische Erkrankungen usw. Allgemein kann man also sagen, dass es sich im Wesentlichen um Beeinträchtigungen in den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen und der Motorik oder eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit aufgrund einer schwerwiegenden Krankheit handelt.

Die Schüler werden entsprechend der anfänglichen Zielrichtung in gemischten Klassenverbänden (d.h. Schüler mit und ohne Förderbedarf im Sinne der Schule für Körperbehinderte innerhalb einer Klasse) unterrichtet. Auf Grund der hohen Schülerzahl körperbehinderter Kinder können in vielen Klassen rund die Hälfte der Schüler körperbehindert sein.

Zielsetzung und Konzeption

In der Abteilung der Schule am Budenberg werden derzeit ausschließlich Kinder mit „funktionalen“ Störungsbildern beschult. Cerebral-bewegungsgestörte Kinder zeigen daher häufig das oben beschriebene Lernverhalten (vgl. 2).

Beschult werden daher vornehmlich Schüler, die Beeinträchtigungen in den verschiedensten Wahrnehmungsbereichen haben. Die Motorik ist zum Teil stark beeinträchtigt. Emotionale Probleme und Verhaltensauffälligkeiten, sowie Sprachprobleme gehen oft mit der Behinderung einher. Gerade in der Grundstufe der Schule sind Mehrfachbeeinträchtigungen zu beobachten.

Im Rahmen der schulischen Arbeit ist es uns wichtig, dass wir nicht innerhalb der Schulgemeinde noch einmal „besondere“ Schüler haben. Vielmehr soll das gemeinsame Lernen, das Miteinander und nicht die Ausgrenzung im Vordergrund stehen. So gibt es keine reinen Klassen, die nur von „körperbehinderten“ Schülern besucht werden. Die Klassenzusammensetzung erfolgt nach unterschiedlichen Gesichtspunkten. Bei jedem Schüler wird im Vorfeld geschaut, in welche Lerngruppe er am besten „passt“, wo eine gute Förderung stattfinden kann. Das Lernen der Schüler untereinander im gemeinsamen Tun, in der Rücksichtnahme, im Erkennen besonderer Schwächen des anderen, genauso wie im Erkennen und Nutzen besonderer Fähigkeiten und Stärken ist hier sehr wichtig.

Gleichwohl ist uns bewusst, dass spezielle Bedürfnisse zu berücksichtigen sind. So sind Förderschullehrer, Erzieherinnen, FSJler oder Integrationshelferinnen oft in einem Klassenteam tätig, um in ihrer Arbeit mit den Kindern individuell auf notwendige Förderschwerpunkte eingehen zu können. Im Alltag bedeutet dies aber nicht, dass das entsprechende Personal nur und ausschließlich mit einzelnen Schülern arbeitet. Im Vordergrund steht hierbei das Klassenlehrerprinzip. Der jeweilige Klassenlehrer ist Ansprechpartner und koordiniert das Lernen innerhalb der Klasse. Über aktuelle Entwicklungen oder individuelle Gegebenheiten ist er informiert.

Räumliche Rahmenbedingungen

Die räumlichen Voraussetzungen an unserer Schule sind ebenfalls den speziellen Bedürfnissen unserer Schüler angepasst. Einschränkend ist hier jedoch anzumerken, dass sic hier wie oben dargestellt baulicherseits nicht viel verändert hat zur oben dargestellten Situation. So ist bspw. ein Aufzug vorhanden, der es gehbehinderten Kindern oder Rollstuhlfahrern ermöglicht, in das obere Geschoss unserer Schule zu kommen. Der übrige Bereich unserer Schule ist weitestgehend barrierefrei. Wir verfügen über eine Küche, deren Arbeitsbereich höhenverstellbar ist. Eine große Vielzahl an Spiel- und Sportgeräten aus dem Bereich der Psychomotorik ist ebenfalls vorhanden. In den letzten Jahren sind auch spezielle Fahrräder (Dreiräder) und Fahrzeuge für die Pausennutzung angeschafft worden. Aktuell befindet sich die Schule in einer Planungsphase für einen möglichen Um- bzw. Anbau. Hier werden v.a. spezielle behindertenspezifische Aspekte Berücksichtigung finden. Gleiches gilt für die Planung und Neukonzeption des Schulhofes.

Konkrete Angebote

Neben dem Unterricht im Klassenverband bietet die Schule am Budenberg zusätzlich noch weitere Unterrichts- und Fördermöglichkeiten:

Seit vielen Jahren fahren zwei Gruppen ins Dillenburger Aquarena-Schwimmbad. Donnerstags und freitags besteht dort die Möglichkeit des Schwimmunterrichts für körperbehinderte Schüler. Viele Schüler haben in den letzten Jahren Schwimmen gelernt, was im regulären Schwimmunterricht vielleicht nicht möglich gewesen wäre (vgl. „Schwimmen für körperbehinderte Schüler“).

Außerdem wir zurzeit einmal wöchentlich eine zweistündige motopädagogische Förderung angeboten. Durch vielfältige Bewegungsangebote sollen die Schüler dazu befähigt werden, sich sinnvoll mit sich selbst, ihrer dinglichen und personellen Umwelt auseinander zu setzen. Anlehnend an den methodisch/didaktischen Prinzipien der Ganzheitlichkeit, Entwicklungsorientiertheit, Kindzentriertheit, Handlungsorientiertheit und Offenheit sollen Entwicklungsstörungen auf geistiger, emotionaler und sozialer Ebene verhindert werden. Hier besteht die Möglichkeit konkrete Körper-, Sozial- und Materialerfahrungen in spielerischer Weise zu machen (vgl. Projektbeschreibung „Motopädagogische Förderung“).

Als besondere zusätzliche Aktivitäten können die jährlichen Fahrten zum Hessischen Leichtathletik- oder Schwimmfest nach Frankfurt bzw. Wiesbaden genannt werden. Bei diesen Festen geht es nicht nur um schnelle Zeiten und große Weiten. Gerade Kinder, die sonst vielleicht keine Höchstleistungen im Sport erzielen werden, können hier ihre Kräfte mit anderen messen. Vorrangiges Ziel bei diesen Veranstaltungen ist die Teilnahme i.S. eines besonderen Angebotes für körperbehinderte Schüler. Eine Aufwertung ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit soll in diesem großen Rahmen erfolgen. Weiterhin stehen auch die Freude und der Spaß an gemeinschaftlichen, außerschulischen Aktionen im Vordergrund. Eine zeitnahe Siegerehrung in der Schule unter Einbeziehung der gesamten Schulgemeinde kann das Selbstbewusstsein stärken. Diese Würdigung ist mittlerweile ein fester Bestandteil innerhalb der Schulgemeinde geworden (vgl. Projektbeschreibung „Teilnahme an den Hessischen Sportfesten und Schwimmfesten für körperbehinderte Schülerinnen und Schüler“).